Ganz hinten auf einem Dachboden, unter einem Stapel alter Zeitschriften, kam in einem Pappkarton ein gebundener Roman zum Vorschein. Der Einband war verblasst, der Bibliotheksstempel innen aber noch gut zu erkennen. Das Rückgabedatum lag viele Jahre vor der Geburt der Person, die das Buch gefunden hatte.
Statt das Buch zu behalten, brachte die Person, die es gefunden hatte, es in die Bibliothek zurück. Dazu legte sie einen handgeschriebenen Zettel, auf dem sie sich im Namen der Person entschuldigte, die das Buch so viele Jahre zuvor ausgeliehen hatte.
Das Bibliotheksteam erwartete eine kleine Kuriosität. Doch niemand ahnte, was sich beim Öffnen des Buches zeigen würde. Zwischen zwei Kapiteln lag ein gepresster Farnwedel: trocken, braungrün und vollkommen intakt, jedes winzige Blättchen noch an seinem Platz.
Ein Lesezeichen aus einer anderen Zeit
Niemand weiß, wer den Farn gepresst hat oder warum. Vielleicht sammelte ihn jemand bei einem Waldspaziergang und benutzte ihn als Lesezeichen. Vielleicht war er auch eine Erinnerung, die eines Tages wiedergefunden werden sollte, aber nie abgeholt wurde. Die markierte Seite gibt keine eindeutigen Hinweise preis – und genau das macht das Rätsel laut dem Team noch faszinierender.
Es wurde keine Verspätungsgebühr erhoben. Nun liegen das Buch und der Farn gemeinsam in einer Glasvitrine neben der Ausleihtheke. Ein Schild lädt Besucher dazu ein, sich ihre Geschichte auszudenken. Die Vermutungen reichen vom ersten Date bis zu einem Schulprojekt in Naturkunde.
Nach seiner langen Abwesenheit ist der Roman wieder im Katalog verzeichnet. Vorläufig bleibt er jedoch genau dort, wo er jetzt liegt.




